Wie kann eine Kirche wachsen, um eine Kirche der Partizipation zu werden?

Aleli und Jojit kommen aus dem Team von Bukal. Sie stellen uns die unterschiedlichen Wachstumsphasen der Kirchenentwicklung vor.

Wachstumsphasen

In der ersten Phase sind alle Menschen mit dem Priester verbunden. Sie gehen zu ihm, weil er gut ist und weil sie etwas brauchen. Der Priester ist immer da. Die Menschen können sich ein Leben ohne den Priester nicht vorstellen. Es ist das Bild einer „versorgenden Kirche“. Vielleicht möchte der Priester gar nicht versorgen, aber die Menschen mögen es versorgt zu werden, weil sie dann keine Verantwortung übernehmen müssen. Jojit sagt: Es ist ein Problem der Haltung. Diese Phase erlaubt keine Partizipation. Aber diese Phase ist wichtig, besonders, wenn der Priester neu ist in einer Gemeinde. Beziehungen müssen aufgebaut werden, aber diese Phase sollte kurz sein.
Wenn wir diese Phase mit dem menschlichen Leben vergleichen, so würden wir sie mit der Phase des Babys beschreiben können. Das Baby ist auf seine Eltern angewiesen und die Eltern versorgen es mit allem, was sie brauchen. Niemand würde den Eltern eine Haltung vorwerfen, die Partizipation verweigert, weil diese Phase für das Baby notwendig ist.

Im zweiten Bild hat der Priester Verstärkung von einer Frau bekommen. Beide senden Menschen aus zu unterschiedlichen Gruppen in der Gemeinde. Das Leben findet außerhalb der Kirche statt. Das Leitungsteam hat alles vorbereitet. Die ausgesandten Menschen müssen sich keine Gedanken machen, was sie tun müssen, denn sie machen es so, wie der Auftrag der Leiter lautet.
Dieses Bild ist beschrieben mit „Kirche der Helfer*innen“. Die Laien sind der verlängerte Arm der Priester: „Ich brauche dich, weil ich die Leute nicht erreichen kann. Aber wenn ich es kann, dann brauche ich dich nicht mehr. Du kannst nichts tun, wenn ich es dir nicht sage.“ Auch diese Wachstumsphase kann mit einer Phase aus dem menschlichen Leben beschrieben werden: Die Phase des Kindes. Denn das Kind kann schon einige Aufgaben im Haushalt übernehmen, braucht aber immer die Anweisungen der Eltern.

Im dritten Bild gibt es verschiedene Gruppen, die miteinander reden und Fragen stellen. Die Integrität wird angefragt. Es ist eine schmerzhafte und chaotische Phase, gerade wenn die Fragen persönlich werden. – No gain, no pain! – Diese Phase ist sehr wichtig. Hier entscheidet man sich, ob man vorangeht oder zurück. In Kleingruppen diskutierten wir über die Fragen: Was ist der Gewinn in dieser Phase für den Leiter? Für die Menschen? Welchen Verlust erleidet der Leiter? Erleiden die Menschen? Es gibt in dieser Phase einen großen Kontrollverlust für den Leiter. Der große Gewinn für die Menschen ist, dass sie sich Themen und Eigenschaften zu eigen machen. Diese Phase trägt den Titel „erwachende Kirche“ oder „im Aufbruch seiende Kirche“. Mich hat diese Phase an die Pubertät erinnert, wo die Jugendlichen die Integrität der Erwachsenen in Frage stellen, Mitbestimmungsrecht fordern und sich Eigeninitiativen entwickeln.

Im vierten Bild fällt auf, dass Christus in jeder Gruppe ist. Es gibt ein Leitungsteam, dass aus verschiedenen Leuten besteht. Jeder aus dem Team hat eine Beziehung zu den Gruppen. Tatsächlich gibt es sogar eine Bibelgruppe. Diese Phase wird „Kirche der Dienste“ oder „Kirche: Berufen und gesandt“ genannt. Die Menschen sind von sich aus motiviert. Sie haben eine eigene Verantwortung, Autorität, Treue und Loyalität zu Christus.

Jojit und Aleli fragten uns, ob uns in diesem Bild etwas fehle. Ja, die Gruppen untereinander haben keine Beziehung. Menschen, die nicht zu einer der Gruppen gehören, fehlen auch. Was noch?

Für mich stellt sich hier die Frage: Woran erkenne ich, dass die Menschen von sich aus motiviert sind? Wie entgehe ich der Gefahr diese Phase mit der zweiten Phase zu verwechseln? Denn vielleicht denke ich, dass ich z.B. mit dem Firmvorbereitungsteam schon in Phase vier bin, aber tatsächlich ist es Phase 2.

Am meisten sympathisiere ich mit Phase 3, weil ich sie gerne mit einer Gruppe erleben würde. Sie ist für mich dynamisch und gibt mir am meisten einen Einblick in die Gedankenwelt der Menschen. Jojit und Aleli fragte uns auch, ob wir mit der Beschreibung der Wachstumsphasen zufrieden sind, ob wir noch andere Phasen kennen, ob es Zwischenphasen gibt und ob die vierte Phase schon die letzte Phase sei. Darüber nachzudenken, finde ich wichtig.

In einer Pfarrei sind alle in einer unterschiedlichen Phase des Kircheseins. Keine dieser vier Phasen ist besser oder schlechter. Jede hat ihre Berechtigung. Wie gehen wir mit diesen unterschiedlichen Entwicklungen vor Ort um?

Fortsetzung folgt…

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Einkehrtage auf den Philippinen Teil 2

An einem anderen Tag stand wieder die Bibelstelle von Johannes 6,1-15 im Fokus. Diesmal ging es um den zweiten Vers. Viele Menschen folgen Jesus und wir stellten uns diese Menschen vor.

Wer waren diese Menschen? Welche Menschengruppen folgten ihm?

Die ersten Antworten kamen prompt: Kranke, Ausgeschlossene, viele Frauen…

Aber da waren doch bestimmt auch Kritiker dabei und Menschen, die sowieso nichts besseres zu tun hatten, als den Abend zu erwarten. Vielleicht auch Menschen mit Burn out… usw.

Nun durften wir selber eine Person kreieren, die dabei gewesen sein könnte. Wie lautete ihre Lebensgeschichte? Warum ist sie Jesus gefolgt und was denkt sie sich?

Jeder darf seine imaginäre Person durch eine Figur darstellen und ihr auch eine Haltung verpassen. Dann wird diese Person interviewt. Danach eine weitere. Es entsteht ein Spektrum, wie unterschiedlich die Motivationen sind und was die Personen von Jesus halten.

Jesus wird in die Mitte gestellt und jede Person positioniert sich in einem stimmigen Abstand um ihn herum. Ist das schon eine Gemeinschaft?

#FromACrowdToACommunity

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Einkehrtage auf den Philippinen Teil 1

Als wir auf den Philippinen auf der Insel Negros angekommen sind, wollte das Team von Bukal uns nicht sofort mit Theorie über basis-kirchliche Gemeinschaften konfrontieren, sondern uns ein „sanftes“ Ankommen ermöglichen. Immerhin waren wir jetzt 7 Stunden unserer Zeit voraus (ich musste zum Glück nicht mit einem Jetlag kämpfen).

Wir widmeten uns zwei Tage Johannes 6,1-15 und ich begriff langsam etwas von BEC:

Danach ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt.
Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.
Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder.
Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe.
Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?
Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte.
Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll.
Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm:
Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele!
10 Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer.
11 Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen.
12 Als die Menge satt war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt.
13 Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Stücken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.
14 Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll.
15 Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

Wir lasen den Text mit verschiedenen Sprechrollen. Es gab den Erzähler, Andreas, Philippus und Jesus. Mal waren es Einzelpersonen, die vorlasen, mal ganze Gruppen.

Dann fragte Romel Enar (umgangsprachlich heißt er Boyet, weil er das jüngste Geschwisterkind ist und auch wenn er jetzt erwachsen ist, ist ihm sein Spitzname geblieben), ein Priester, der im Team von Bukal arbeitete: „Jesus fragt: Wo sollen wir Brot kaufen? Und Philippus antwortet: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus… Hat er die Frage beantwortet? Wenn Jesus fragt: Wo? Dann erwarten wir eine Ortsangabe als Antwort oder den Namen von einem Bäcker. Wie würdet ihr Philippus Antwort benennen? Wie tickt Philippus?“

Wir gaben ihm Namen, wie der Verwalter, der Kalkulierende, usw. Einige verglichen ihn mit einem Mitarbeittyp aus den Generalvikariaten.

Nachdem wir über Philippus vieles gesagt hatten, fragte Boyet: „Und wie sieht es mit der Antwort von Andreas aus? Wie tickt er?“

Andreas sieht das Praktische, aber dann knickt er doch ein, als er die Menge der Menschen sieht.

Philippus und Andreas, beide handeln menschlich und zeigen, was menschliches Handeln ausmacht: Grenzen und Möglichkeiten. Wer nur in seinen Grenzen handelt, wird nicht sehr weit kommen. Wer immer nur nach seinen Möglichkeiten handelt, der lebt am Ende auf Kosten Anderer. Beides ist also wichtig: Ein Dialog zwischen Grenzen und Möglichkeiten.

Wenn wir Entscheidungen fällen müssen, dann wägen wir die Grenzen und Möglichkeiten ab.
Zur Veranschaulichung wurden zwei Stühle aufgestellt. Ein Stuhl bekam das Schild „Grenzen“, der anderer das Schild „Möglichkeiten“. Boyet gab uns ein Beispiel aus seinem Leben und ließ die unterschiedlichen Stimmen reden. Dabei wechselte er immer wieder die Stühle.

Basis-kirchliche Gemeinschaften bewegen sich in dem Spannungsfeld zwischen Grenzen und Möglichkeiten und handeln diese als Gruppe miteinander aus.

Worum geht es bei basis-kirchlichen Gemeinschaften (BEC)?

BEC: From a CROWD to a COMMUNITY
Wie kann aus einer Menge/Ansammlung von Menschen eine Gemeinschaft werden?

BEC: Bridging the GAP between DAILY LIFE and CHURCH
Die Lücke schließen zwischen dem täglichen Leben und dem Leben in der Kirche.
DAILY LIFE das ist Job, Familie, Alltag…
CHURCH damit verbinden wir Wörter, wie Sakramente, Eucharistie…
Wie können wir die Themen des Alltags mit den Themen des Glaubens zusammen bringen?

BEC: CROSSING BORDERS
Dialog zwischen Grenzen und Möglichkeiten
Unterscheidung – Entscheidung – Handlung (mit allen)
In Maryshore haben wir uns mit der Bibelstelle der Brotvermehrung in Johannes 6,1-15 auseinandergesetzt, um zu verstehen, was Grenzen und Möglichkeiten meint.

BEC ist ein Weg Glaubenssinn aufzubauen, zu stärken (Glaubenssinn ist besser beschrieben mit kollektive Glaubensweisheit, die auf Erfahrung basiert)
Führt die Firmkatechese dazu, Jugendliche in ihrem Glauben zu stärken?
Was bedeutet es Christ zu sein? Wie können wir das schärfen?
Antwort von Estela Padilla und F. Mark Lesage: Keine Dokumente, keine Konferenzen können das bewirken. Wir lernen, was es heißt Christ zu sein, nicht (nur) in persönlicher Erfahrung, sondern in Gemeinschaftserfahrung. Diese kollektiven Erfahrungen werden an die nächste Generation weitergegeben und es wird Auswirkungen haben, was eine Gemeinschaft miteinander erlebt hat.

In unseren ersten Tagen als Gruppe aus 5 verschiedenen Bistümern machten wir die Erfahrung, ziemlich schnell vertraut miteinander zu werden. Woran lag das? Für mich war ein Schlüsselerlebnis die kollektive Glaubenserfahrungen während der Besinnungstage. Aber ausschlaggebend war für mich der Versöhnungsgottesdienst, den wir miteinander gefeiert haben. F. Mark sagte zu Beginn der Feier:

„Sakramente müssen den Menschen im Innersten berühren. Wenn ein Sakrament nicht berührt, dann bleibt es ein Ritual.“

Es standen vier Stuhlinstallationen im Raum. Einmal standen die Stühle Lehne an Lehne. Einmal war ein Stuhl erhöht und der andere Stuhl stand davor. Ein weiteres mal wurde die Sitzfläche des einen Stuhls auf die Lehne des anderen gestellt. Und bei der letzten Station lagen die Stühle wie umgekippt auf dem Boden. Das Interessante an der Installation war, dass die Stationen im Kreis angeordnet waren. Es gab also keine Station, die „besser“ oder „schlimmer“ wäre. Zunächst haben wir den Gottesdienst mit einem Gebet begonnen. Dann stellten wir uns als Gruppe immer um ein Stuhlpaar und sagten, was uns dazu auffiel, wie z.B.: Entfremdung… ich möchte nichts mit dir zu tun haben… Nachdem an einer Station alles gesagt wurde, wurde das Kyrie angestimmt und wir gingen zur nächsten Station. F. Mark forderte uns dazu auf, auf den verschiedenen Stühlen Platz zu nehmen. Auch er und Estela Padilla nahmen auf unterschiedlichen Stühlen Platz. Wahrscheinlich gab es eine Hintergrundmusik, aber ich weiß es nicht mehr, weil ich diese Art der Besinnung so interessant und kreativ empfand. Am Ende sollte jeder bei dem Stuhlpaar verweilen, von dem er sich am meisten angesprochen fühlte.
Zu Beginn hatte F. Mark erklärt, was Versöhnung bedeutet anhand des Gleichnisses vom barmherzigen Vater. Der verlorene Sohn kehrt nach Hause zurück und hat sich schon seine Entschuldigung parat gelegt. Doch er kommt gar nicht dazu sie zu formulieren, da hat ihn der Vater schon in seine Arme geschlossen. Der Vater hätte auch anders reagieren können. Er hätte sagen können: Sohn, ich habe das und das über dich gehört. Ist das wahr? ODER: Versprich mir, dass du so etwas nie wieder tun wirst? Aber er nimmt ihn in die Arme und sagt: Willkommen zu Hause. Das hat F. Mark über die gängige Beichtpraxis nachdenken lassen. Bevor wir uns mit den Stühlen befasst haben, hat uns F. Mark aufgefordert ihn und den anderen Priester zu segnen und für sie zu beten als Werkzeuge der Vergebung.
Dann nachdem wir uns neben ein Stuhlpaar hingekniet haben, kam einer der beiden Priester zu einem und sagte so etwas wie: N, du bist ein geliebtes Kind Gottes… usw. Gott vergibt dir. Danach richtete der Priester einen auf, schloss die Person in seine Arme und sagte: Willkommen zu Hause. Am Ende, als jeder der Teilnehmer wieder auf seinem Platz saß, kniete sich einer der Priester neben einem der Stuhlpaare und der andere richtete ihn wieder auf und umgekehrt.
Dieses sehr emotionale Ereignis hat das Gruppengefühl stark beeinflusst. Und es hat noch einmal deutlich gemacht, was gemeinschaftliches Erleben bedeutet: Niemand ist ausgeschlossen, jeder wird Teil der Erfahrung.
Diese Feier der Versöhnung wird auch im Buch „Der Kirchen Kurs“ von Christian Hennecke und Gabriele Viecens beschrieben.

BEC ist ein Korb voller Träume
Menschen kommen zusammen, die Träume haben. Sie handeln ihre Träume miteinander aus. Dann kann eine BEC ein Ort sein, wo aus dem Glauben heraus neue Träume gestaltet werden können. Mehr dazu bald in einem Beitrag über gemeinsame (geteilte; engl.: shared) Vision.

In Gemeinschaft leben – Gemeinschaft ausstrahlen

In der Arbeit von Bukal ng Tipan zusammen mit den Diözesen wurde immer wieder deutlich, wie wichtig Kontextualisierung ist. Ebenso wichtig war es auch ständige Abhängigkeiten der Diözesen von Institut zu vermeiden. Dies löste Bukal so, indem sie lokale Teams vor Ort ausbildeten, die von sich aus autarke Programme und Methoden entwickeln, indem sie immer wieder Bezug auf ihre eigene diözesanen Visionen, Prozesse und Kontexte Bezug nehmen.

  • Diese Entwicklung hatte für das Team von Bukal den Effekt, dass sie von ihrem Zentrum in die lokalen Gebiete reisten. Auf diese Weise bekamen sie Einblicke in viele Kontexte, erfuhren von besonderen Bedürfnissen und wurden sensibel für die Richtigungen der unterschiedlichen Missionen. Sie entwickelten sich von den „Kursmachern“ zu „Prozessermöglichern“ von lokaler Kirchenentwicklung. Bukal wurde sich bewusst, dass ihre Aufgabe nicht allein darin bestand pastorale Berater und Referenten zu sein, sondern auch Partner, „Mitjünger“ der unterschiedlichen Teams, die sie trafen.

  • Anhand der Begegnung mit den Mitarbeitenden der Abteilung Pastoral des erzbischöflichen Generalvikariates von Jaro konnte ich diese gelebte Haltung positiv erfahren. Liezel, Weng, Danny und Father Robert besuchten mit uns verschiedene Gemeinden auf dem Festland und Inseln rund um Iloilo. Überall wurden sie begrüßt wie alte Freunde, die in ein Teil der Gemeinschaft vor Ort sind. Als wir den Vieren diese Beobachtung mitteilten, ergänzten sie: „Für uns ist es wichtig als Team selber Gemeinschaft zu sein, wenn wir Gemeinschaften woanders aufbauen wollen. Nur so kann es für uns funktionieren.“

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  • Weng wird herzlich auf der Insel Naborot begrüßt.

In erster Linie ist das Team von Bukal überzeugt: Die Erfahrung einer partizipativen Kirche können wir nur machen, wenn wir uns als Team als Gemeinschaft erleben. Estela Padilla sagt: „Wir können nicht geben, was wir nicht haben.“ Das Team von Bukal nimmt es ernst ihr Glaubensleben nach außen hin so zu leben, dass ihre Gemeinschaft/Verbundenheit als Team erkennbar wird. So wurde Bestandteil ihres Lebens das gemeinsame Beten, Bibelteilen, gemeinsame Teilnahmen an Exerzitien und Klausurtagungen.

  • Wie sieht es in unseren Teams aus? Woran können die Menschen erkennen, dass wir eine Gemeinschaft sind? Sind unsere Teams Gemeinschaften oder sind wir Einzelkämpfer?

Die Art und Weise wie das Team von Bukal arbeitet, ist ebenfalls eine Ausdrucksweise von Partizipation: Wahrnehmen, Entscheidungen treffen, Durchführen von Programmen und Prozessen wird immer gemeinschaftlich getan.

Gibt es einen anderen Weg die Pfarrei zu entwickeln? Wie können die Menschen Kirche sein?

Diese beiden Fragen stellte sich Father Mark Lesage in den 80er Jahren als er Pfarrer von der Pfarrei Las Piñas in Manila, war. Er beginnt Orte zu bereisen u.a. in Mindanao, wo kleine christliche Gemeinschaften existieren. Er war inspiriert und hat in seiner Pfarrei den Menschen davon erzählt „anders“ Kirche zu sein. Aber nach 10 Jahren stellte er fest, dass er die Menschen in Las Piñas kein bisschen bewegt hatte. Er fühlte sich müde vom ganzen reden und merkte: Die Leute einzuladen und darüber zu reden, funktioniert nicht.

  • F. Mark: Ich hatte eine Vision für die Menschen, aber keine Vision mit den Menschen
  • Reaktion der Menschen in Las Piñas: Sag uns nicht WAS wir tun sollen. Sag uns WIE.

1992 reiste F. Mark zum Lumko Institut in Südafrika und dort lerne er das WIE. Dann versuchte er in Las Piñas „Südafrika“ zu kopieren. Aber es funktionierte nicht. Erst nachdem die Erkenntnisse aus dem Lumko Institut kontextualisiert wurden, konnten die Menschen in Las Piñas an der Entwicklung von basis kirchlichen Gemeinschaften mitwirken.

1999 träumten sechs pastoral engagierte Ehrenamtliche zusammen mit F. Mark Lesage von der Gründung des Pastoralinstitutes Bukal ng Tipan, Standort Maryhill. 2001 war es dann soweit. Sie arbeiteten nicht von einem Besprechungstisch aus und schnell wurde auch klar, dass die Menschen nicht in das Institut kamen, um endlich davon zu erfahren, wie sie „anders“ Kirche sein können. Dem Team von Bukal wurde also bewusst, dass sie dorthin gehen müssen, wo die Menschen sind. In allen Schulungen, Kursen und Einheiten geht es um die Mission von einer priesterzentrierten Kirche aus zu einer partizipativen Kirche/ Kirche der Beteiligung/Teilhabe zu werden.

  • Mit der Übersetzung von participatory Church haben wir im Deutschen Probleme. Partizipation oder partizipativ benutzen wir nicht in unserer Alltagsprache. Auch die Übersetzung mit Beteiligung und Teilhabe ist schwer verständlich und trifft nicht den Aussagekern des englischen Wortes participatory. Denn unter Beteiligung und Teilhabe können wir uns immer noch eine priesterzentrierte Kirche vorstellen. Als ich mich gestern mit einer Freundin traf, schlug sie das Wort „Teilgabe“ vor.

Studium vs. Beruf

In meinem Studium habe ich viel Wissenschaft vermittelt bekommen. Mein theologisches Hintergrundwissen ist für meinen Berufsalltag ganz gut gefüllt. Aber das „Wie“ hat mir im Studium immer gefehlt. Wie mache ich das? Wie sage ich das? Wie kann … erfolgreich gelingen? Und so weiter.

In meinem Beruf fühle ich mich wohl. Nach und nach klären sich einige Wie-Fragen.
In der Ferienzeit sind mir zwei banale Dinge aufgegangen. Dazu muss ich die zwei Situationen erläutern.

Situation 1:
Zur Kinderkirche kommen zwei afrikanische Mädchen. Die ältere ist 3 Jahre alt. Ihre jüngere Schwester kann noch nicht laufen, möchte aber immer dabei sein. Deswegen nehme ich sie auf den Arm. Wenn die Kinderkirche zu Ende ist (nach ca. 25 Minuten) gehen wir in die Kirche, durch den Mittelgang nach vorne und zünden dünne, lange Kerzen an. Der Gottesdienst ist noch im vollen Gange. Ich trage das kleine Mädchen auf meinem Arm und zünde für sie eine Kerze an.

Vor ein paar Wochen später sitze ich vor dem Gottesdienst alleine in der Bank. Eine ältere Frau kommt zu mir und lobt mich für meine Arbeit mit den Kindern. Zum Schluss fügt sie hinzu: „Am liebsten mag ich es, wenn Sie ein kleines Kind auf ihrem Arm tragen.“

Situation 2:
Ich bin im Kindergarten. Gerade mache ich eine Erzählreihe über Maria. Wir widmen uns dem Lobgesang Mariens (Magnifikat). Dazu habe ich ein paar Materialien mitgebracht: Bausteine, Natursteine, Glassteine, Holzfiguren …
Für jede Aussage dürfen die Kinder die für sie passenden Materialien hinlegen. Natürlich habe ich eine etwas einfachere Übersetzung des Magnifikat gewählt.

  • Mein Herz preist Gott.
  • Alles in mir freut sich über dich, du bist mein Gott, du hast mich gerettet!
  • Gott hat mich gesehen, obwohl ich nur eine stinknormale Frau bin.
  • Alle Menschen, die in Zukunft leben werden, werden mich einmal toll finden und mich ehren.
  • Denn Gott hat Großes an mir getan, er, der mächtig und heilig ist.
  • Seine Liebe hört niemals auf; er schenkt die Liebe allen, die ihn mögen.
  • Gott ist stark. Die Eingebildeten vertreibt er. 
  • Die Mächtigen, die Könige und alle, die etwas zu sagen haben, verjagt er von ihrem Thron.
  • Die Menschen, die sich klein fühlen, macht er groß.
  • Menschen, die Hunger haben, kriegen bei ihm etwas zu essen.
  • Aber Menschen, die satt und reich sind, schickt er mit leeren Händen weg,
  • Er hat uns versprochen zu helfen, und er hat dieses Versprechen nicht vergessen. Er liebt uns.
  • Er hat das schon vor Ewigkeiten Abraham und seiner Familie versprochen.“

Ich hätte irgendeine Erzählung wählen können, Hauptsache die Glassteine dürfen berührt werden 😉
Die Kinder waren sehr beeindruckt von den Materialien. Aber sie haben sich auch gut auf die Sätze einlassen können.

Es sind zwei Beobachtungen, die einige Wie-Fragen im Studium geklärt hätten:
– Trag ein Kind in die Kirche und die Gemeinde liebt dich.
– Bring ein paar glitzernde Materialien in den Kindergarten und du kannst jede Geschichte erzählen

Und ich habe mich jahrelang mit Theorien gequält 😉